das dritte Quartal 2026 war an den Kapitalmärkten von bemerkenswerten Gegensätzen geprägt. Neue Rekordstände an den Aktienbörsen trafen auf einen Krieg am Persischen Golf, steigende Energiepreise und den stärksten Renditeanstieg
an den Anleihemärkten seit vielen Jahren. Zugleich entwickelte sich die Wirtschaft robuster, als es die Nachrichtenlage vermuten ließ. Unter dem Strich zeigt sich: Die Märkte haben viele Belastungen erstaunlich gut verkraftet, bleiben aber anfällig.
Der Konflikt mit dem Iran prägte das Quartal wie kein anderes Thema. Die Straße von Hormus, über die normalerweise rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls läuft, blieb weitgehend blockiert, und der Ölpreis der Sorte Brent stieg wieder über 100 US-Dollar je Barrel. Verbraucher spüren das an der Zapfsäule, Industrieunternehmen in ihren Produktionskosten – für den energieintensiven Standort Deutschland eine anhaltend enorme Belastung. Höhere Energie- und Transportkosten treiben zudem die Inflation – so wirkt die Geopolitik unmittelbar auf die Geldpolitik.
Erst gegen Quartalsende kam Bewegung in die Diplomatie: Teheran stellte eine Öffnung der Meerenge in Aussicht, knüpfte diese aber an Bedingungen, die Donald Trump erst einmal ablehnte. Etwas Entspannung brachte der Handelskonflikt zwischen den USA und China. Beim Staatsbesuch von Xi Jinping in Washington wurde der Zollfrieden bis Januar 2027 verlängert. Daneben bleiben der Krieg in der Ukraine und die insgesamt gestiegenen geopolitischen Spannungen wichtige Faktoren für die Kapitalanlage.
Eine gravierende Veränderung des Quartals fand an den Zinsmärkten statt. Die Hoffnung auf sinkende Zinsen wurde enttäuscht: Im Euroraum lag die Inflation im August bei 3,2 % und damit deutlich über dem Ziel von 2 %. Die EZB erhöhte ihren Einlagenzins im September zum zweiten Mal in diesem Jahr, nun auf 2,50 %. Wenige Tage später folgte die US-Notenbank mit der ersten Zinserhöhung seit Juli 2023 auf 3,75 bis 4 % – trotz öffentlicher Forderungen des US-Präsidenten nach niedrigeren Zinsen. Weitere Schritte schließt sie nicht aus. Ein gutes Zeichen: Die Notenbanken nehmen die Inflation ernst.
Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg zeitweise über 3,6 % und damit auf den höchsten Stand seit 2009; zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten mit über 5,2 % so hoch wie seit 2007 nicht mehr. Für bestehende Rentenpositionen war das belastend, denn steigende Renditen bedeuten fallende Anleihekurse. Die Kehrseite: Neu- und Wiederanlagen bringen wieder attraktive laufende Erträge. Diese Gelegenheit haben wir genutzt und uns mit mehreren Anleihen Renditen von rund 4 % über mehrere Jahre gesichert.
Bemerkenswert widerstandsfähig zeigten sich dennoch die Aktienmärkte. In den USA erreichten die technologielastigen Indizes neue Rekorde, getragen von soliden Gewinnen und milliardenschweren Investitionen in Rechenzentren und Chips. Die zunehmende Konzentration auf wenige große Technologiekonzerne sehen wir allerdings kritisch. Die hohen Investitionen in KI-Infrastruktur müssen erst noch entsprechende Erträge abwerfen, um die anspruchsvollen Bewertungen zu rechtfertigen. Wie dünn das Nervenkostüm der Anleger ist, zeigte eine Episode Mitte September (siehe Randnotiz). Der deutsche Aktienmarkt zeigte sich robust. Der DAX überwand Anfang August erstmals die Marke von 26.000 Punkten und erreichte Ende August mit rund 26.570 Punkten ein neues Rekordhoch. Im September gab er unter dem Eindruck steigender Renditen und höherer Ölpreise einen Teil der Gewinne wieder ab.
Am 14. September sorgte ausgerechnet die KI-Branche selbst für einen Schreckmoment. Dario Amodei, Chef des KI-Entwicklers Anthropic, forderte öffentlich, das Entwicklungstempo immer leistungsfähigerer KI-Modelle aus Sicherheitsgründen bewusst zu drosseln. OpenAI-Chef Sam Altman und Elon Musk schlossen sich an. Die Börse reagierte prompt: Chipwerte wie Nvidia, Intel und ASML gerieten weltweit unter Druck. Die Pointe: Eine Woche später schloss die Nasdaq bereits wieder auf Rekordhoch. Die Episode zeigt, wie viel Zukunftshoffnung in den Kursen steckt – und wie schnell die Stimmung drehen kann.
Die straffere US-Geldpolitik hat dem Dollar neuen Rückenwind gegeben. Der Euro fiel von rund 1,16 auf etwa 1,13 US-Dollar, was für Euro-Anleger die Erträge von US-Anlagen leicht erhöhte. Gold litt dagegen unter steigenden Renditen und dem festen Dollar. Das Edelmetall startete im August einen Erholungsversuch, brachte jedoch im bisherigen Jahresverlauf keinen Zuwachs. An seiner Rolle als langfristiger Stabilisator im Depot ändert das nichts.
Mehr Zuversicht kommt aus der deutschen Wirtschaft. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognose in der Herbst-Gemeinschaftsdiagnose mehr als verdoppelt: Sie erwarten nun 1,3 % Wachstum in diesem Jahr (Frühjahr: 0,6 %) und 1,1 % für 2027.
Drei Gründe nennen sie:
• Die Exporte entwickeln sich besser als erwartet.
• Höhere Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung stützen die Nachfrage.
• Der Energiepreisschock infolge des Iran-Kriegs fällt geringer aus als befürchtet.
Diesen Schwung nehmen wir gerne mit – wohl wissend, dass die strukturellen Probleme hierzulande bleiben: hohe Energieund Standortkosten, schwaches Produktivitätswachstum, der demografische Wandel und zu geringe private Investitionen. Für 2028 rechnen die Institute bereits wieder mit nur 0,4 % Wachstum.
Die Risiken sind im dritten Quartal nicht kleiner geworden. Energiepreise, Inflation, geopolitische Konflikte und der weitere Zinspfad bleiben die entscheidenden Einflussfaktoren. Gleichzeitig zeigen Unternehmen und Märkte eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit. Für uns ist dies kein Umfeld für große Wetten, sondern für breite Streuung, Qualität und aktives Risikomanagement. Wir bleiben zuversichtlich – mit der notwendigen Wachsamkeit.
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Redaktion: Andreas Muhl, Heiko Vitt, Peter Engel, Michael Bender, Dr. Jannis Weinem, Lena Zimmermann