Quartalsberichte

Bericht zum 2. Quartal

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Liebe Leserin, liebe Leser,

das 2. Quartal 2026 war an den Kapitalmärkten von starken Gegensätzen geprägt. Robuste Aktienindizes, KI-Begeisterung und Kursgewinne in Teilen des Technologiesektors standen einem Umfeld aus Iran-Krieg, blockierter Straße von Hormus, steigenden Energiepreisen und neuen Inflationssorgen gegenüber. Für Anleger wirkten die großen Indizes stabiler, als es die Lage unter der Oberfläche tatsächlich ist. Bei einem erfreulichen Plus des MSCI-World Index von rund 11% im ersten Halbjahr, sehen wir im DAX (+2%) mit Münchener Rück (-6%) und SAP (-30%) und Rheinmetall (-38%) prominente Verlierer im gleichen Zeitraum. Auch innerhalb der großen US-Technologiewerte zeigte sich eine deutliche Spreizung: Microsoft (-20%), Meta (-13%) und die Google-Mutter Alphabet (+12%). Dies sind nur einige Beispiele, die zeigen wie extrem die Performance unter der Motorhaube der großen Aktienindizes variiert.

Weltwirtschaft: Wachstum bleibt positiv, aber die Risiken nehmen zu

Die globale Konjunktur blieb widerstandsfähig, verlor aber an Dynamik. Zentraler Belastungsfaktor war der Energiepreisschock infolge des Krieges im Nahen Osten. Die Straße von Hormus, einer der wichtigsten Transportwege für Öl und Flüssiggas, rückte in den Mittelpunkt der Märkte. Schon die Gefahr längerer Störungen reichte aus, um Inflationsängste neu zu entfachen und die Erwartungen an die Geldpolitik zu verschieben. Die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr sinkender Zinsen endete damit vorerst. Die Zentralbanken müssen erneut Inflation bekämpfen, ohne die schwächere Konjunktur unnötig zu bremsen. Angesichts steigender Zinsen verlor Gold an Attraktivität und büßte im 2. Quartal rund 12 % seines Wertes ein.

Geopolitik: Der Iran-Krieg als globaler Marktfaktor

Der Krieg im Nahen Osten und die zeitweise gestörte Passage durch die Straße von Hormus waren die wichtigsten geopolitische Ereignisse des Quartals. Sie beeinflussten Ölpreise, Lieferketten, Inflationserwartungen, Währungen, Anleiherenditen und die Risikobereitschaft. US-Präsident Donald Trump spielte dabei eine zentrale Rolle. Seine Politik sprang zwischen militärischem Druck und Verhandlungsangeboten hin und her. Auf amerikanische Angriffe und iranische Gegenreaktionen folgten wiederholt Signale für Gespräche und Waffenruhen. Diese Mischung erhöhte die Unsicherheit deutlich. Europa zog daraus eine klare Schlussfolgerung: Sicherheit wird wieder zu einer wirtschaftlichen Kernfrage. Die Unterstützung der Ukraine, der Nahe Osten und Zweifel an amerikanischen Sicherheitsgarantien beschleunigten die europäische Aufrüstungsagenda.

Rüstungsbranche: Struktureller Rückenwind, aber keine Einbahnstraße

Auch die Rüstungsbranche gehörte zu den prägenden Themen des Quartals. Der langfristige Rückenwind ist offensichtlich:

Europa erhöht Verteidigungsbudgets, die USA müssen Munitionsbestände auffüllen, moderne Konflikte zeigen den Bedarf an Luftverteidigung, Drohnenabwehr, Präzisionsmunition und elektronischer Kriegsführung. Gleichzeitig kennt der Sektor nicht automatisch nur steigende Kurse. Einzelne Aktien reagierten sensibel auf politische Entscheidungen und konkrete Aufträge. Das Beispiel Rheinmetall zeigte, wie schnell Enttäuschungen bei Großprojekten zu starken Kursverlusten

führen können. Der Markt unterschied stärker zwischen Aufrüstungsfantasie und tatsächlicher Lieferfähigkeit. Trotz zunehmender wirtschaftlicher Relevanz des Sektors agieren wir bei Engagements in Rüstungsaktien weiterhin zurückhaltend.

SpaceX: Ein Börsengang als Symbol der Marktphase

Ein besonderes Kapitel schrieb der Börsengang von SpaceX. Außergewöhnlich war nicht nur seine Dimension, sondern vor allem seine Konstruktion: eine sehr hohe Bewertung, kombiniert mit einem vergleichsweise geringen Streubesitz. So entstand ein explosives Gemisch aus enormer Aufmerksamkeit, knappem Angebot und erheblichem Nachfragepotenzial. SpaceX wurde damit zum Brennglas der aktuellen Marktphase. Auf der einen Seite: Raumfahrt, Satellitenkommunikation,

künstliche Intelligenz, große Zukunftserzählungen – und die Strahlkraft von Elon Musk. Auf der anderen Seite: ambitionierte Bewertungen, hoher Kapitalbedarf, offene Governance-Fragen und Unsicherheit über eine mögliche Indexaufnahme. Die Euphorie erinnert deutlich an frühere Phasen überzogener Markterwartungen. Wir verfolgen die technologischen Fortschritte in diesem Sektor mit großem Interesse – lassen uns aber nicht von aufgeheizten IPO-Fantasien blenden. Mehr dazu auch in unserem Kommentar auf Seite 15.

Fazit:

Das 2. Quartal 2026 hat gezeigt, dass Anleger nicht mehr allein auf klassische Konjunktur- und Unternehmensdaten schauen können. Geopolitik, Energieversorgung, Verteidigung, KI-Infrastruktur und Momentum beeinflussen die Kapitalmärkte immer direkter. Nicht zu vergessen die nur schwer berechenbare Kommunikation der US-Regierung. Die großen Aktienindizes blieben robust, doch die Entwicklung war stark konzentriert. Aktien aus Gesundheit, Finanzen und des täglichen Bedarfs führen zu Unrecht ein Dasein im Schatten der KI-Dominanz, unternahmen jedoch zuletzt erfreuliche Erholungsversuche.

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Redaktion: Andreas Muhl, Heiko Vitt, Peter Engel, Michael Bender, Dr. Jannis Weinem, Lena Zimmermann

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