"Zu jung für alt" - Dieter Bednarz unser Gast im HdW

Die MANERIS AG präsentierte am 20.03.2019 den Journalist und Schriftsteller Dieter Bednarz mit seinem Buch „Zu jung für alt“ im Haus der Siegerländer Wirtschaft. Dort wurde auch das Beratungsangebot der Stadt Siegen für Senioren vorgestellt.

29.03.2019

„Zu jung für alt“

Der Einladung der MANERIS AG  folgten mehr als 100 Gäste ins Haus der Siegerländer Wirtschaft. Anlass war die Präsentation des jüngsten Buches von Dieter Bednarz, der im Rahmen seiner Lesereise seine Visitenkarte in Siegen abgab. Rund zehn Jahre nach seinem viel gelobten erzählenden Sachbuch über spätes Elternglück mit dem Titel „Überleben an der Wickelfront“ hat der Autor erneut seine persönliche Situation zum Anlass genommen für ein ebenso unterhaltendes wie informatives Buch.

Offen und ehrlich, aber auch sachlich umfassend, beschreibt er die beruflichen und privaten Wechseljahre, die Männern wie Frauen immer öfter bereits mit Ende 50, Anfang 60, zu schaffen machen: wenn die sogenannte Karriere ein nicht selten jähes Ende nimmt, wenn die erste Renten-Hochrechnung Ängste vor baldiger Altersarmut schürt und der Rest der Familie ziemlich deutlich zeigt, dass er auch gut alleine klar kommt. Dieter Bednarz verhehlt nicht, dass ihm die Entscheidung über die eigene Zukunft schwerfällt, zumal sich das von der Firma gesetzte Zeitfenster unerbittlich schließt. Bednarz, über 30 Jahre beim Spiegel, kommt schwer ins Grübeln, als ihm sein Chef den Vorruhestand nahelegt und seine Frau ihm ein Rentnerticket kauft. Er beschließt, sich dem Abenteuer Alter zu stellen.

„Zu jung für alt!“ ist ein ebenso heiterer wie nachdenklicher Apell zum Aufbruch in die große, unbekannte Freiheit nach dem Berufsleben. Die Bilanz der Älteren kann sich durchaus sehen lassen: Durch die Rushhour des Lebens full speed geknallt, Karriere und/oder Familie irgendwie koordiniert – oder auch nicht. Es hat sie jedenfalls nicht aus der Kurve geschleudert. Weil sie Glück hatten. Oder weil sie achtsam waren. Oder wegen beidem oder noch aus ganz anderen Gründen.

Dieter Bednarz nahm die Zuhörer mit auf seine Reise zu Experten und Betroffenen, die ihn ermutigten, eher aufzuhören und sich selbst noch einmal neu zu erfinden; er traf aber auch auf Mahner und weniger glückliche Schicksale, Psychologen und den Fußballer Philip Lahm.

Bednarz beschrieb eindrücklich, warum es Zeit ist, mit einem frischen Blick auf das Alter zu sehen. Er gab einen Denkanstoß zur demographischen Diskussion: Wann ist man alt? Warum wollen wir alle alt werden, aber nicht alt sein? Welcher Rentner-Typ bin ich? Warum gelingt es manchen Menschen, diese Zeit zu ihren wirklich besten Jahren zu machen und warum scheitern andere?

„Zu jung für alt!“ ist ein Buch für Menschen, die nicht alles so lassen wollen, wie es ist. Der Autor wendet sich an Männer und Frauen, die spüren, dass sie sich verändern wollen, ja, vielleicht sogar verändern müssen, obwohl ihre Bilanz sich durchaus sehen lassen kann. Sie sind nicht mehr in ihren Karriere-Jahren, haben ihren Fünfzigsten aber noch sehr lebendig vor Augen, viele schielen schon auf den Sechzigsten; die etwas Voreiligen überlegen bereits, wie sie ihren Siebzigsten begehen wollen. Kurz: Sie sind in den wirklich besten Jahren, zumindest könnten sie die Zeit nach dem Berufsleben dazu machen. Wie wir die dafür notwendige Offenheit finden? Auch das beschreibt Dieter Bednarz in seinem Buch, das er als ermutigenden Appell an seine Leser versteht.

Dieter Bednarz, Jahrgang 1956, war mehr als sein halbes Leben lang politischer Redakteur des Hamburger Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL; seine scharf geführten Gespräche – unter anderem mit Irans Staatschef Ahmadinedschad, Syriens Machthaber Assad und Ägyptens Präsident Sisi – fanden weltweit Beachtung. In seinen Erzählungen beschrieb er dem aufmerksamen Siegener Publikum auch seine Erfahrungen mit dem buddhistischen Mönch „Siri“, die er in seinem in 2017 erschienen Roman „Schwer erleuchtet“ aufschrieb.

Der Autor spannte in seiner authentischen und erfrischend inspirierenden Lesung einen bemerkenswerten Bogen seiner Lebensstationen, die die Zuhörer faszinierte. Die Bestandteile „Demut, Identität und Würde sowie der rote Faden des Lebens wurden dem Publikum mit viel Selbstironie und Sprachwitz vor Augen geführt. Dem „Vortragsreisenden“, wie er sich selbst nennt, gelang es, die Menschen zu berühren und zum Nachdenken über das Alter anzuregen. „Leute, da geht noch was!“ so sein Rat: Immer den Blick offen und weit haben, dass hält frisch und jung und den Geist rege.

er demografische Wandel, der Eintritt der Generation Baby-Boomer in den Ruhestand und die wichtige Bedeutung der lebenserfahrenen Menschen für die Gesellschaft, all das ist für das Team der MANERIS AG um seinen Vorstand Andreas Muhl eine wesentliche Säule der gesellschaftlichen Entwicklung  dieser Zeit.

Um den Gästen des Abends einen Einblick in das regionale Angebot für Senioren zu ermöglichen, präsentierten sich am Veranstaltungsabend auf Einladung des Gastgebers der Seniorenbeauftragte der Stadt Siegen Lars Dörr, sowie der Vorsitzende des Seniorenbeirates Dr. Horst Bach und Friedhelm Eickhoff (ViSdP) als Vertreter der Seniorenzeitschrift „durchblick“. Katja Knoche von der Mittwochsakademie sowie Jessica Daub vom Gesundheitszentrum T1 rundeten die Informationsmöglichkeiten im Anschluss an die Lesung ab.