Kommentar zum Marktgeschehen

Marktkommentar der Maneris AG, März 2021

08.03.2021

Ein Jahr leben wir nun mit Corona. Die Aktienmärkte haben sich vom Schock des März 2020 sehr schön erholt. In die heile Börsen-Welt schleichen sich aktuell Sorgen vor Inflation und steigenden Zinsen. Höhere Zinsen könnten einen Anleger erfreuen, wäre da nicht die Kehrseite der Medaille. Denn steigende Zinsen taugen zum Spielverderber für Aktien, insbesondere für z.B. Technologieaktien, deren zukünftigen Gewinnen bei höheren Zinsen ein niedrigerer aktueller Wert beigemessen wird. Daher fielen die Kurse dieses Sektors jüngst deutlich. Der DAX zeigt sich hingegen in Rekordlaune, da er stark aus Unternehmen zyklischer Branchen besteht. Das aktuelle Bild haben wir in unserem Marktkommentar zusammengefasst. Weitere ausführliche Informationen und Analysen folgen in unserem Quartalsbericht Anfang April.

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Zugegebenermaßen ist ein Umfeld steigender Zinsen ein großes Risiko für die Finanzmärkte. Seit fast vierzig Jahren leben wir in einer Welt fallender Anleiherenditen. Die Dynamik des Zinsschwundes hat seit der Finanzmarktkrise 2009 sogar dramatisch zugenommen. Ohne Zweifel war dies auch einer der relevanten Gründe für die Aktienhausse der letzten Dekaden.

Wendet sich nun das Zins-Blatt?

Die Rendite für 10jährige Staatsanleihen in Deutschland hat sich zuletzt auf Minus 0,28% „verbessert“, jene in den USA auf Plus 1,56%. Von einem Comeback der Zinsen und der Inflation wird gesprochen. Die damit verbundenen Kursverluste im Bondmarkt können Aktienanleger nicht länger ignorieren, da steigende Anleihezinsen die Attraktivität der Aktien schmälern. Die Kursverluste z.B. des Nasdaq 100 Index, summieren sich auf 10% seit Mitte Februar. Technologieaktien aber auch Basiskonsumgüteraktien und Pharmatitel zählten jüngst zu den Kursverlierern.

Kräftig anziehende Rohstoffpreise (z.B. bei Öl und Buntmetallen), knappe Logistikkapazitäten, Engpässe bei Chips für die Autoindustrie und verstopfte Lieferketten lassen die Erzeugerpreise steigen. Was für die Gütermärkte gilt, konnte man auf den Märkten für Vermögensanlagen bereits seit Jahren beobachten. Dort kam es vor allem bei Zinspapieren, Immobilien und in manchen Sektoren auch bei Aktien zu enormen und oft übertriebenen Preis- respektive Kurssteigerungen.

Seit November des vergangenen Jahres stehen nun die Aktien zyklischer Unternehmen in der Gunst vieler Anleger. Unternehmen aus Branchen, die von den Lockdowns besonders hart getroffen wurden, sind überproportional gestiegen: Aktien von Fluggesellschaften, Autohersteller, Unternehmen der zyklischen Industrie im Allgemeinen bis hin zu Banken. Qualitätsaktien und auch etliche unserer Portfoliounternehmen mit wurden hingegen links liegengelassen oder sind gar im Kurs gefallen, obwohl sich das Geschäft sehr gut entwickelt und sogar für „Corona-Gewinner“ eher weiter verbessert hat.

Die Sektor-Rotation von krisenrobusten Unternehmen hin zu (stark) zyklischen Firmen setzt stets in ersten Erholungsphasen nach stärkeren Rezessionen ein, so auch zuletzt im Jahr 2010. Wie lange diese Phase anhält, lässt sich natürlich nicht vorhersagen. In der Regel dauern diese Phasen jedoch nicht lange an und enden dann, wenn zunehmend erkannt wird, dass viele zyklische Firmen -trotz konjunktureller Erholung- eben doch keine nennenswerten Gewinne erzielen, schon gar nicht zuverlässig, dauerhaft und in Rezessionen.
Zykliker wie beispielsweise Banken, Fluggesellschaften oder die Schwerindustrie erfüllen unsere Qualitätsansprüche nicht, auch wenn diese traditionell temporär zu den Recovery-Kandidaten eines wirtschaftlichen Aufschwunges gehören. Das Risiko, dass dieser Aufschwung nicht stabil und andauernd verläuft, erscheint uns zurzeit recht hoch.

Langfristig gilt: Die Beteiligung an profitablen Qualitäts-Unternehmen mit krisenresistenten Geschäftsmodellen bringt eine hohe Wertentwicklung und eine hohe fundamentale Investitionssicherheit bei gleichzeitig vergleichsweisen niedrigen Schwankungen mit sich. Und echte Qualität gibt es jetzt etwas günstiger. Die Technologie sehen wir als treibende Kraft des derzeitigen Wandels in vielen Bereichen, die auch von strukturellen Veränderungen betroffen sind. Die zunehmende Digitalisierung unterstützt „Big Tech“, daher erwarten wir nach einer Phase der Konsolidierung auch zukünftig attraktives Wachstum in diesem Segment.
Neben dem IT-Sektor inklusive intelligenter Mobilität und Cyber-Security sehen wir weiterhin Konsumgüteraktien, Unternehmen aus dem Gesundheitswesen sowie Infrastrukturtitel als Favoriten in einem gut diversifizierten Aktienportfolio.

Die aktuelle Rotation hin zu traditionellen, zyklischen Werten hat ein starkes Momentum. Offen ist zunächst, wie diese Dynamik durch die Erholung der globalen Wirtschaft unterstützt werden wird. Um unserem Grundsatz der Diversifikation treu zu bleiben, werden wir situativ Unternehmen und auch Fonds dieses Sektors prüfen und bei Eignung als Beimischung aufnehmen. Zwischenzeitlich erreichte der DAX neue Bestmarken, doch anstatt Partylaune herrscht in Umfragen eine eher vorsichtige Stimmung. So ganz scheint man dem „Braten“ noch nicht zu trauen.

Zurück zur Frage der weiteren Zinsentwicklung

Mit dem jüngsten Zinsanstieg am langen Ende, wurde eine mögliche Leitzinserhöhung in den USA im Dezember 2022 bereits vorgezogen. Die Notenbanken haben avisiert, zunächst weiter an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten zu wollen. Wir erwarten, dass die Inflation durch Basiseffekte steigt, wenn die Wirtschaft nun wieder anspringt. Unwahrscheinlich erscheint uns jedoch, dass die Inflationsrate nachhaltig über 3% steigen wird. Die schwache strukturelle Inflationsdynamik vor der Krise müsste sich andernfalls in einen systematischen Aufschwung verwandeln. Wir sollten nicht vergessen, dass die derzeitigen fiskalischen Maßnahmen neben wirtschaftlichen Stimulationsprogrammen mehr noch Rettungspakete sind, denn die Krise ist noch nicht ausgestanden. Und schließlich lässt die massive ausgeweitete Staatenverschuldung einen spürbaren Zinsanstieg unwahrscheinlich erscheinen, denn das wiederum würde das Finanzierungsproblem wieder auf die Staaten verlagern. Doch diese brauchen alle erdenklichen finanziellen Mittel zur Wirtschaftsankurbelung und nicht für Zinsausgaben.

In diesem Umfeld sind gute Qualitätsaktien mit „Burggraben“ ein Hort der Stabilität und Schutz gegen Inflationstendenzen, auch wenn temporäre Kursrücksetzer leichtes Unbehagen bei Anleger*innen verursachen können. Weitere ausführliche Analysen und Einschätzungen folgen in unserem Quartalsbericht Anfang April.

Bleiben Sie gesund und zuversichtlich.

MANERIS AG

Siegen, 08. März 2021

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