"Die Börsen nach der Europawahl ..." - Prof Hartwig Webersinke referiert im Museum für Gegenwartskunst

Zu diesem Titel folgten ca. 90 Gäste unserer Einladung in das Museum für Gegenwartskunst am 22. Mai 2019.

23.05.2019

Prof. Dr. Hartwig Webersinke (Dekan an der Fakultät für Wirtschaft und Recht an der Hochschule Aschaffenburg), der nun zum dritten Mal in der Veranstaltungshistorie Gastredner von MANERIS war, überzeugte auch diesmal wieder mit verständlichen Erklärungen, Prognosen und Erläuterungen politisch anspruchsvoller Zusammenhänge. Seine Botschaften an unsere Gäste waren nachdenklich und optimistisch zugleich:

„Populismus schrumpft Wachstum“ ist eine der Kernaussagen die uns in Erinnerung geblieben sind. Populismus vernichtet Wohlstand (besonders in Europa) und ist das Ende der Globalisierung. Der aktuelle Handelskrieg und die Einführung der Zölle kosten uns weltweit 0,4 % Prozentpunkte an Wirtschaftssteigerung.

Der Brexit unterbricht bestehende Produktionsketten in Europa. Das bedeutet Zeitverlust und somit erhöhte Kosten. Diese Produktionsketten haben den Wohlstand einzelner Länder gefördert. Neue Zölle verhindern diese Produktionsketten. Zölle verhindern Wohlstand.

Prof. Dr. Hartwig Webersinke

Sehr anschaulich beschrieb Prof. Webersinke die politische und wirtschaftliche Situation der unterschiedlichen Länder und Regionen. Ein besonderes Augenmerk legte er hierbei auf Europa. In diesem Wirtschaftsraum lässt sich eine deutlich nachlassende Dynamik im Wachstum erkennen. Seit Mitte 2017 schrumpft der Einkaufsmanagerindex erheblich. Hier zeigt die USA Stabilität und China wieder einen leichten Aufwärtstrend.

Deutschland kann bei einer Rezession in der „alten“ Industrie lediglich durch den Dienstleistungssektor einen leicht positiven Trend von 0,5 % verzeichnen. In unserem Nachbarland Frankreich gehen nach einer ersten Begeisterungswelle für Präsident Macron die Geringverdiener auf die Straße und demonstrieren. Die Aufbruchsstimmung scheint zu Ende. Italien rutscht 2019 in die Rezession. Zugesagte Rentenerhöhungen für die ältere Wählerschaft und nachlassende Investitionen in die Infrastruktur des Landes schaden nachhaltig. Reformfortschritte sind nicht in Sicht. Sollte Italien den EURO einmal verlassen, bleiben die Schulden in EURO bestehen. Für viele kleinere Unternehmen bedeutet dieses eine Katastrophe, scheint den Italienern aber nicht wirklich bewusst zu sein. Die Radikalisierung der Wähler in Europa ist ein gefährliches politisches Signal. Wir schließen hiermit die Grenzen für Menschen und Güter.

Das Konsumentenvertrauen ist in den USA seit 2009 mit kleineren Ausschlägen im Aufwärtstrend. Nach mehreren Zinsschritten nach oben hätte die USA nun die Möglichkeit auch Zinsen nochmals zu senken, um die Konjunktur und die Wirtschaft nachhaltig zu stabilisieren. Steuerreformen geben große Impulse fürs Land. Aufgrund des Comebacks des Fracking bleiben die Ölpreise laut Prof. Webersinke niedrig. Wie groß die Belastungen und Auswirkungen des Protektionismus für die USA werden, bleibt abzuwarten.

Seit der Finanzmarktkrise fallen die Zinsen in Europa. Die Inflationsrate liegt oberhalb der Zinsen was eine stille Enteignung der Sparer in Europa seit 2012 bedeutet. Einer der Gründe warum die Inflation nicht steigt, liegt in der Digitalisierung begründet. Die Preise werden durch den digitalen Wettbewerb nachhaltig gedrückt und es kommt zu keinen gravierenden Preissteigerungen. Extreme Geldpolitik der Notenbanken stützt wieder die Kapitalmärkte. Offensichtlich gibt es hier keine Tabus.

Prof. Webersinkes Fazit für die Vermögensanlage lautet: Je unsicherer wir sind, umso mehr müssen wir in verschiedene Vermögensklassen investieren! Mittel bis langfristig zu Verfügung stehende Gelder sollten in den Kapitalmarkt investiert werden. Aktien bleiben dabei zentraler Bestandteil jeder Anlagestrategie.

Prof. Webersinke und Herr Gasteiger (V-Bank AG, 2.v.R) mit dem Team von Maneris